Das Wort “Sünnet” (Beschneidung) kommt aus dem arabischen und bedeutet “Brauch, Weg, Verhalten”. Im Wörterbuch wird “Sünnet” mit Operation oder der die Religion befolgt oder auch mit Überlieferung erläutert.
In der türkischen Kultur wird die Beschneidung sowohl als religiöse als auch als traditionelle Aufgabe angesehen, wenn sich die Beschneidung verspätet wird die Person als “ungläubiger, Schweinchen mit Schale” bezeichnet.
In der Türkei wird das Kind vor Schulbeginn beschnitten, die Beschneidungsfeier ist eine weitverbreitete Tradition. (In letzter Zeit werden unter dem Einfluß der westlichen Welt auch Babys beschnitten). Die Beschneidungsfeiern finden meistens im Sommer statt. In den Dörfern erfolgt die Einladung entweder in gedruckter Form oder durch Überbringer die sogenannten Boten; in den Städten werden Einladungen verschickt oder ausgehändigt.
Die Beschneidung findet entweder im Haus oder im Offizierskasino oder auch im Garten statt. Das Bett des Kindes wird vorbereitet und geschmückt. Bei schlichten Beschneidungsfeiern wird den Gästen Essen angeboten, aus dem Koran gelesen und gebetet (mevlit).
Beschneidungsfeiern mit musikalischer Unterhaltung sind auch weitverbreitet.
Die Kleidung des Sünnet-Jungen besteht aus einer weißen Hose und Jacke, entweder gekauft oder vom Schneider. Auf diese Kleidung wird eine Schärpe umgehängt, auf der “Masallah” (Talisman) steht. Das Kind bekommt außerdem eine rote oder blaue Pelerine umgehängt oder eine Schleife umgebunden; auf den Kopf bekommt der Junge eine Krone gesetzt. Für die Zeit nach der Beschneidung wird ein weites Nachthemd vorbereitet, damit das Kind die Toilette bequem aufsuchen und die ersten Tage gut schlafen kann.
Nach der Beschneidung bringen die Gäste Geschenke an das Bett des Kindes, dem Kind wird auch Geld angesteckt. Mancherorts gibt es auch den Brauch, dass mit einem herumgereichten Tablett Geld eingesammelt wird.
Dem islamischen Glauben nach, ist der Prophet Mohammed beschnitten zur Welt gekommen. Die Beschneidung bedeutet gemäß den türkischen Sitten und Gebräuchen, dass das Kind in die religiöse Gemeinschaft eintritt.
Im heiligen Buch der Muslime ist die Beschneidung nicht aufgeführt, außerdem ist die Beschneidung in den ersten Jahren des Islam kein Thema gewesen. Heute halten die meisten Moslems die Beschneidung des Mannes für eine religiöse Erfordernis. Es wird vermutet, dass die Beschneidung durch die im 9. Jahrhundert zum Islam konvertierten Juden, die ihren eigenen Glauben aus dem Israeltum in den Islam eingebracht haben, zur moslemischen Tradition wurde.
Die religiöse Auslegung ändert sich je nach geographischer Lage (wie z.B. bei den christlichen Kopten in Ägypten), was bezeugt das die bestimmenden Faktoren für die jeweils angwandte Praxis nicht die Religion sondern die Geographie (Die Sahara Wüstenregion bis nach Asien) und die Patriarchie sind.
• Quellen: Pertev Naili Boratav, Yüz Soruda Türk Folkloru, K Kitaplýðý, Ýstanbul 2003.
• Sedat Veyis Örnek, Türk Halkbilimi, TC Kültür Bakanlýðý Y., 2. baský, Ankara 2000.
• Sami Aldeeb Abu Sahliyeh, "Muslims Genitalia in the Hands of the Clergy"
07.08.2008
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